All language subtitles for In.Liebe.Eure.Hilde.2024.German.1080p.BluRay.x264-DETAiLS.german

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Original subtitles

(Vögel zwitschern, Insekten brummen.)

(Klappern, Wasser plätschert.)

Nicht! Sonst gibt's keine Marmelade.

(Motorbrummen)

(Surren einer Fliege)

Nehmen Sie auch was Warmes mit.

Wie lange wird es denn dauern?

Das hängt ganz von Ihnen ab.

(Rattern)

Darf ich?

So ein Wunder, oder?

Meine Frau ist auch schwanger.

Welcher Monat?

Dritter erst.

(Klappern einer Schreibmaschine)

(Kommissar 1) Kennen Sie, oder?

Mhm. Das hatte mein Mann... - (Klappern einer Schreibmaschine)

...Zu Übungszwecken.

Übungszwecken?

Damit er vorbereitet ist, wenn er eingezogen wird. - Quatsch! - (Klappern hält an.)

Gesendet hat er damit.

Nein.

Geübt, nur geübt.

An wen gingen die Funksprüche?

Welche Funksprüche?

Sie haben nicht bemerkt, dass Ihr Mann Funksprüche abgesetzt hat?

Vielleicht versehentlich? Ich Kenn mich nicht so aus mit der Technik.

Woher hatten Sie denn das Gerät?

Es war plötzlich da.

Frau Schulze-Boysen hat angegeben,

dass Sie einen ähnlichen Apparat bei ihr abgeholt haben?

Nein, ich...

Ich hab mal einen Koffer mit Büchern abgeholt.

Was für Bücher?

Bücher halt. Über Elektronik, glaub ich. Für die Abendschule.

(Kommissar 2) Ach, hören Sie doch auf.

Die Schulze-Boysen hat längst gestanden. Und ist robuster als Sie.

(zögerlich) Aber ich kenne die doch kaum. - (Klappern)

(Kommissar 1 seufzt.)

(seufzend) Das...

Das sieht nicht gut aus.

Ihr Mann hat Sie ganz schön reingeritten.

Das würde er nie tun.

Ich...

Ich weiß, es ist verboten, aber... (schluckt)

Er wollte so gern zu den Funkern.

Leberwurst?

Danke.

"Du musst mehr..." Entschuldigung.

"Du musst mehr aus dir machen", sagte ich ihm.

(lächelnd) Dann wollte er sich bilden, mir zuliebe.

Ich bin schuld. - (Tür wird geöffnet.)

(Leises Klirren)

(Tür wird geschlossen.) - (Mann) Coppi?

Kennst du den?

Ach. Woher denn?

Vom Strand in Lehnitz.

(Ächzen) - (Kommissar 2) Ruhe!

(Hilde schluckt.)

Ja...

Ja. In Lehnitz.

Da hab ich ihn mal gesehen. - Und wie heißt er?

Fritz?

Oder Helmut.

(Kommissar 1) Oder Albert Hößler?

Sowjetischer Spion, Fallschirmspringer.

Funker.

Ein Fallschirmspringer? Hier? - Von den Russen in unserm Hinterland abgeworfen.

Kam doch bei dir unter! Er und dein Mann haben vom Boot aus gesendet.

(Kommissar 1) Tja.

Unsere Beamten haben extra Segeln gelernt.

(Frau 1) Jetzt gebäre ich. - (Frau 2) Nein, du bist der Stuhl. Hilde, pass auf.

(Hilde) Ja. - So gebären die Frauen im Krankenhaus.

Total falsch. Warte.

Viel besser: so. Wegen der Schwerkraft.

In der Hocke? - Ja.

Oh! Madame Schulze-Boysen. - Libs! - Hi, Libs.

Harro ist weg. Ganz plötzlich.

Komm erst mal an. - Dienstreise. - Tee?

Sogar Mütze und Koppel soll er vergessen haben. - Braucht er nicht bei seiner Stellizitas.

Vielleicht hatte er's eilig. - Oder du solltest sie mal anrufen. - Wen?

Na, das Fräulein Mahlberg. Hilde, die Schauspielerin, Actrice!

Wann genau? - Vorgestern.

Und das ist noch nie passiert? - Doch, in letzter Zeit...

Wirst du beobachtet? Hast du was bemerkt?

Weiß ich nicht.

Vielleicht.

Was? Und wieso kommst du dann hierher?

Um euch zu warnen natürlich.

Kontakte reduzieren in den nächsten Tagen. Wenn was ist, in der Eisdiele anrufen.

Falls sie uns verhaften: Albert heißt Helmut, ist mein Kollege.

Ihr kennt ihn nur vom Strand. Klar? - Ja.

Sie haben Harro? - Nur Vorsichtsmaßnahmen.

Lassen wir das Funkgerät lieber hier? - Nee, nimm mit.

Wer nimmt Alberts Uniform? - Hol ich morgen ab. - Seine Pistole?

Kann ich machen.

(panisch) Ich wusste es! Irgendwann passiert's! - Libs, er taucht wieder auf.

Woher willst du das wissen? - Sie würden auch auf mich stoßen.

Aber ich bekam vorgestern meine Einberufung. Warum erst das und mich dann festnehmen?

Hilde, entschuldige. - (Sie atmet gepresst.)

Ich wollt's dir doch sagen.

Im richtigen Moment. Hildchen, ich komm nicht gleich zur Front.

Wenn du was brauchst, gehst du zu Mutti. - Was brauch ich denn? Was?

Dass du überlebst. Mehr brauch ich nicht.

(Sanftes Atmen)

(Vogelrufe)

(Kommissar 1) "Liebe Frau Frickenhorst, Ihrem Sohn Leo geht es gut.

Er ist in sowjetischer Gefangenschaft.

Gestern sprach er auf Radio Moskau in der Sendung Heimatpost

und ließ Ihnen Grüße ausrichten."

Haben Sie das geschrieben oder Ihr Mann?

Weder noch.

Sie wissen, welche Strafe auf das Abhören von Feindsendern steht.

Mal abgesehen vom Verfassen solcher Briefe.

Ich hab doch nichts damit zu tun.

(Kommissar 2, verächtlich) "Naziparadies, Hunger, Lüge, Gestapo."

Ist doch genau das gleiche Papier wie das.

Ist das Papier von deiner Arbeitsstelle?

(scharf) Was? - Nein. - (Schlüssel klimpert.)

(brüllend) Von deiner Arbeitsstelle?

(leise) Ja.

(Hilde wimmert.) - (Kommissar 2 seufzt.)

Und die Uniform von deinem Fallschirmspringerfreund,

die du der Lautenschläger gegeben hast?

Haben Sie das, Fräulein Breiter? "Es ist richtig, dass ich Ina Lautenschläger

die Uniform des Sowjet-Spions Albert Hößler gegeben habe."

Hat er dich angestiftet? Dein Mann.

(zaghaft) Er hat mich nicht angestiftet. - Fertig, Fräulein Breiter?

(Schreibmaschine surrt.) - Danke.

(Kommissar 2 seufzt.)

(Kommissar 2) Kennst du wen davon?

Na los.

Was meinen Sie, wie viele schon zugegeben haben, Sie zu kennen?

Aber ich Kenn doch nur die Vornamen. - Zack, zack.

(Hilde atmet schwer.)

(Hilde schluckt.)

(Hilde schluckt laut.)

(Hilde schluckt.)

(Hilde schluckt.)

Fritz.

(Wimmernder Laut)

Ina. - (Kommissar 2, freundlich) Sehr gut.

(Hilde keucht.)

Heinz oder Heinrich, weiß ich nicht genau.

(Hilde ringt nach Luft.)

Libertas.

Und Harro.

(schroff) Ausziehen.

(Klimpern am Boden)

(schroff) Alles.

Arme hoch.

Höher.

Handflächen.

Durch die Haare fahren.

Gründlicher!

Mund.

Zunge.

Umdrehen.

Fußsohlen.

Andere.

Vorbeugen.

Husten.

(Hilde hustet.) - Noch mal.

(Hilde hustet.)

(Die Tür hinter ihnen wird versperrt.)

(Fernes Stimmengewirr)

(Ein Baby schreit.)

(Eine Frau schreit qualvoll.)

(Die Tür wird geschlossen und verriegelt.)

(Hilde erschrickt.)

(Hilde atmet schwer.)

(Fernes Stimmengewirr) - (Vogelgezwitscher)

(Klopfen)

(Frau 3) Coppi, lebst du noch?

(leise) Ja.

(Hilde seufzt.)

(Hilde ächzt.)

(freudig) Da bist du ja.

(liebevoll) Ist ja gut.

Ist ja gut.

(Knie knacken.) - (Hilde ächzt.)

(Hilde seufzt.)

(Hilde würgt.)

(Hilde schluckt es mühsam.)

(flüsternd) Erdbeermarmelade, Hilde.

(Coppi) Iss doch. Du musst für zwei essen.

Wollen wir nicht gehen? - (Frau 1) Wieso? Schön hier.

Albert, noch Sahne? - Na klar.

Wie ist es da drüben? Kann man da leben?

Ja, kann man schon. - Mhm. Und Ihr Fallschirm, wo ist der?

(mahnend) Grete! - Was denn? Die gute Seide.

Wir können Du sagen.

Du. - Du. - Herr Ober.

(Grete) Mmh. Die gute Sahne. - (Ober) Zahlen? - Ja.

Hier. - Lass, Albert. - Komm.

Nee., - Lass mich. - Ach, Albert.

Mein Lieber, ihr braucht das noch. - (lacht) Das nächste Mal ich, okay?

(Ober) Wollen Sie mich verarschen?

Die sind längst abgelaufen.

(Räuspern) Zeigen Sie mal.

(zögerlich) Ähm... Tatsächlich.

Das ist so eine Sauerei.

Die schicken dich in Urlaub, mit falschen Reisemarken?

Elende Misswirtschaft! - Ich...

(Ober) Wo dient er denn? - 6. Armee, Ostfront.

Da weiß die Linke nicht, was die Rechte tut. - Schon gut. Kann er ja nichts für.

Schöne Grüße an die Kameraden. - Danke.

Stalingrad ist unser. - Jawohl.

(Coppi ächzt.) - (Grete lacht.)

(Klackern) - (Es läuft beschwingte Musik.) - (Kichern)

Grete. Grete! - Was?

Er ist verheiratet.

Ja, Hilde. Du mich auch.

Du übrigens auch.

Was meinst du, was Rudi so treibt?

Zwei Jahre an der Front. Du hast dich doch auch getröstet.

Was hast du geschrieben? - Nichts Großes.

Dass ihr Potential habt, das Funkgerät läuft, wir aber keine Antwort kriegen.

Und dass ich gut untergekommen bin.

Hat's wieder nicht geklappt?

Die Reichweite. - Wir schaffen das. Morgen funken wir mit deinem Boot vom See.

Weil sich da die Wellen besser ausbreiten? - (Pfiff) - Meine Frau.

Jetzt hört auf zu quatschen. Tanzen!

(Radio-Jingle ertönt.)

(Radio wird leiser.)

(leise) Ist in Ordnung. - Ja?

(Sprecher) Hier ist Radio Moskau mit seiner Sendung für deutsche Hörer.

Es treten einige Kameraden ans Mikro. - Hast du Spaß? - Grete, Bier?

Sie sprechen über viele Kilometer hinweg Grüße an ihre lieben Angehörigen daheim.

So, Musik. - (Grete) Jazz! - Hier der Kriegsgefangene Paul Letzik. - Warte.

Kennst du den? - Bin seit drei Wochen im Lazarett, wegen eines Granatsplitters im Arm.

Ich werde behandelt wie die Russen. Man sollte nur nach Hause schreiben können.

Bitte, wer das hört: Sagt meiner Mama, ich lebe. Paul Letzik aus Schwaan, Wiendorfer Weg 16.

Hier der Kriegsgefangene Leo Frickenhorst zu Mutter und Schwester Hanoi

in Rheine, Westfalen, Kramerstr. 6.

Ich wünsche euch, allen Verwandten und Bekannten alles Gute. Euer Leo.

Hallo. Hier spricht Ludwig Becher aus Neustadt an der Orla,

Ortsteil Neunhefen, Dorfstraße 35. Liebe Grüße an alle...

(Sie lachen.)

(Grete kichert.) Geht's? - Ja. - (Ein Hund bellt.)

Komm.

(keuchend) Hallo! Hallo!

(Hilde schluckt.) Kommen Sie!

Bitte!

(Hilde ächzt.) - (Plätschern)

(Hilde schreit.)

(Hilde schreit panisch.)

Kommen Sie! Machen Sie die Tür auf!

Machen Sie auf! Mein Kind bewegt sich nicht mehr!

Schon unter 100. Kopf geboren, Schulter steckt fest.

Tja, zu spät für einen Schnitt. - Ich versuch, die Arme zu lösen.

Eher Dekapitation. Wenn nötig auch der Arme. - Was? Nein!

Es lebt doch noch. - Und sie? Die verreckt bei dem Blutverlust.

Ich hol das jetzt! - Ihre Verantwortung.

Los, Mädchen! Es muss schnell gehen.

Wir holen das Kind. Tot oder lebendig, ja? Gut.

Atme tief durch. Wir warten auf die nächste Wehe.

Atmen. Atmen.

Jetzt. Jetzt geht's los! Ist gut. - (schreit)

Ja, ja, Ja! Pressen, pressen. Komm. Komm, weiter!

Schieb. - (Keuchen)

Schieb! - (Keuchen endet.)

Ja, ist gut. Ist gut!

Schieb. Weiter, weiter, Mädchen! Weiter!

(schreit) - Gut! Ja, ja, Ja...

Einmal atmen und dann durch! Weiter. Schieb, komm.

Komm. Ist gut, ist gut. Ist gut. - (Hilde keucht.)

Ist gut. - (Hilde keucht kraftlos.)

(Hilde atmet schwer.)

Atmen. Atmen. - (Hilde wimmert.)

Gleich geht's wieder los. Ja, ja, ja, es kommt.

Ja. Merkst du?

(vehement) Gut. Los!

Ist gut! Atmen! Atme tief und dann pressen! - (keucht)

Schieb! Schieb!

(Hilde schreit.) - Schieb, schieb, schieb.

Mehr! Mehr, Mädchen! Mehr!

Gut. Drück von oben. Gut. Schieb. - (Plätschern)

Atmen! Guck mich an! Atme tief ein.

Und jetzt pressen! Schieb!

(Hilde verstummt.) - Gut!

Ist gut. Die Schulter löst sich. - Ich kann nicht mehr.

Ja! Jetzt kannst du noch mal... Atmen.

Ganz tief atmen. Und noch mal, mit ganzer Kraft. Ja, Mädchen?

(leise) Noch mal mit ganzer Kraft. Komm, ich atme mit dir.

Ja, geht wieder los. Und schieb. Noch mal!

(Hilde brüllt.) - Ja! Ja! Ja!

Da ist es. Da ist es. - (keucht)

Da ist es. Hier. Gut gemacht.

(flüsternd) Gut gemacht.

(Stöhnen)

(Das Baby schreit.) - (Hilde lacht.)

(Erleichterter Seufzer)

(Das Baby wird ruhiger.)

Bitte!

Immerhin hat sie's geschafft.

Aber nur einen Moment. Der kommt sowieso nicht durch.

Leg ihn bald an, dass sich die Milch bildet.

Ein Junge? - Ja.

Hans, mein Hans. - (Hans wird ruhig.)

(Hebamme) Hans soll er heißen?

(Hans brabbelt leise.)

(Hans schreit.)

(Hans wird ruhig.) - (Eine Frau wimmert.)

(Hans schreit.)

(liebevoll) Pst. Ist ja gut...

(Hans wird ruhig.) - (Eine Frau stöhnt.)

Nicht schummeln.

Lass mich mal.

Wieder 70 weniger. Wenn du keine Milch kriegst, müssen wir zufüttern.

Zufüttern? - Ja, aber das Zeug ist fetter.

Und bequem aus der Flasche, da mögen sie keine Muttermilch mehr.

Da bin ich ja schon. Pst. - (Stöhnen) - Durchatmen. Atmen.

Atmen.

Wird er mir weggenommen? - Auch zu seinem Wohl.

Ich geb dir drei Tage. Vielleicht kommt ja Milch. Sieh zu, dass du mehr isst.

(Hans schreit.) - Ja, mein Hänschen...

Schon wieder Suppe?

(rau) Sei froh, dass du was kriegst, Berkowitz.

Danke. Könnte ich noch ein Brot bekommen? - Jeder eins.

Aber ich hab nicht genug Milch. - Jeder eins. Vorschrift.

(flüsternd) Mein kleines Hänschen.

(Vogelgezwitscher)

Das ist der Himmel.

Himmel.

(Leises Brabbeln)

Schön, nicht?

(Hilde) Ich geb dich nicht mehr her.

(Leises Brabbeln) - Du bleibst bei mir.

Bei mir.

(Hilde atmet freudig auf.)

Hänschen!

Ja.

SOWIJET-PARADIES - NAZI-PARADIES Krieg, Hunger, Lüge, Gestapo. Wie lang noch?

(Fernes Lachen) - (Flasche klirrt.)

(Frau 4) He! Komm. Schnell, duck dich.

(flüsternd) Hans!

(Hilde) Da war was!

Komm bitte. - Ruhig. Hilde! - Halt!

Stehen bleiben! - Küss mich. - Was?

Küssen!

Ihr könnt aufhören zu knutschen.

Harro. Was machst du hier? - (lacht) Die Luft ist rein!

Unsere Aktion beschützen. Speziell unsere Jungsehen.

Falls jemand kommt. - Gehört ihr zu uns? - Seid vorsichtiger.

Nehmt ihr doch die Nebenstraßen! - Frischer Wind. Tut uns allen gut, oder?

Wo hat er die denn aufgegabelt?

Hildchen. Was ist denn?

Hier. Geht's?

Geht's wieder? - Mhm.

(Sie stöhnt.) - So schlimm?

Schon das dritte oder vierte Mal die Woche.

Ich dachte, du kannst keine Kinder kriegen?

(Er lacht.) - (Sie jauchzt.)

Nicht so schnell! Sonst wird mir wieder schlecht.

Ab ins Bett. Ist keine Kirmes. - Nur zur Toilette. - Hör auf den Doktor, Berkowitz.

Und? Lebt immer noch? - Er hat zugenommen.

Brathähnchen. - Muss nicht jeder 'n Brummer werden.

Wie viel wiegt er? - 2.960.

Gut gemacht, Coppi.

Die mit schmalen Hüften sind manchmal bessere Mütter.

Sagte Dr. Minnigerode auch immer, bei dem ich gearbeitet hab.

Ah, Krankenschwester? - Zahnärztliche Assistentin.

Ausgebildet? - Das nicht, aber zehn Jahre Praxisarbeit.

Wegen mir kann sie auf Zelle. - Sind Sie hier der neue Arzt, Fräulein Kühn?

Die bleibt. Schreiben Sie in Ihren Bericht: Risiko-Schwangere über 30,

Kind nach Lageanomalie und Komplikationen zu schwach.

(Plätschern)

Mach schon!

(stöhnt) Oben links.

Ah ja.

(Hilde räuspert sich.)

(Er schreit auf.) - Tut mir leid, aber das muss jetzt sein.

(Er schreit.)

Karies. Der muss raus.

Der Dr. Minnigerode ist an der Front, aber Dr. Ohlert ist auch gut.

Samariter 164.

Soll ich mir das merken? Schreib's auf, dann ab.

(Er keucht.)

(Hilde) Gut.

(liebevoll) Vorsicht mit deiner Narbe.

Danke. - (Ein Baby schreit.)

(seufzt) Tut gut. - Essigsaure Tonerde.

Sag Bescheid, wenn du neue brauchst. - Hier.

Danke. - Politische?

Hilde. Zack, zack! Mastitis Nr. 2.

(leise) Hey.

(Qualvolles Ächzen)

Liane. Du schaffst das. Ich hab's doch auch überstanden.

(Liane weint.)

Frau Kühn?

Frau Kühn!

(Liane) Bitte bleib. Der Arzt ist so 'n Schlächter.

Ja. Wie der Ohlert. Der Zahnarzt, den ich ihm empfohlen hab.

Der Schlimmste jemals. - (lacht)

(Liane wimmert.)

Was willst du lieber?

Junge?

Oder Mädchen? - Ein Mädchen.

Unbedingt 'n Mädchen.

Kriegst du bestimmt. Und wenn nicht,

wird's halt ein Junge.

Stimmt's, dass das Baby schöne Haare kriegt, wenn man sie sich vorher wäscht? - Klar.

Wenn du dir die Nägel kurz schneidest, wird's später reich.

Wirklich?

Oh Mann, Hilde.

(Liane stöhnt.) - Frau Kühn!

Ruhig. Ganz ruhig.

Denk an was Schönes.

Die Sonne, das Wasser, deinen Liebsten. - (Liane wird ruhig.)

Meinst du, wir kriegen Gefängnis?

Wir sind im Gefängnis.

Du weißt schon. So richtig.

Na ja.

Wahrscheinlich.

Aber doch nicht viel, oder?

Nein.

Du kommst sicher frei.

(Prasselnder Regen)

Was senden wir? - Vielleicht, dass wir an sie denken?

Dass wir bei ihnen sind nach der Kriegserklärung. - Kürzer. Nur Grüße.

Liebe Grüße. Also... Tausend Grüße. - Ja. - Tausend Grüße.

An die Freunde? - Tausend Grüße allen Freunden.

(Coppi räuspert sich.)

(Klackern dauert an.)

(Er seufzt schwer.)

(Klackern endet.)

(Er seufzt schwer.)

Antworten sie?

(Harro) Was sagen sie? - Moment.

"Danke, Berlin." - (Lachen)

Es hat funktioniert! - Das muss gefeiert werden!

Schau.

Mutti! Er will mich heiraten. Was soll ich machen?

Wer? Wer will dich heiraten, Betty?

Wer ist es?

Dieser Hans?

Brauchst du Mehl, Ella? Kannst du kochen in deiner neuen Bleibe?

Ich kann auch noch mehr besorgen. Ich weiß, wo.

Hast du das in die Wege geleitet, Hedwig? - Warum sollte ich?

Was weiß ich.

Weil wir Juden sind, Franz und ich.

Dass deine Tochter unter die Haube kommt. Deutsche Haube, versteht sich.

Das haben wir nicht nötig. Dein Sohn ist jung, schön. Er wird überleben.

Ach ja? Weißt du, was die mit uns machen? Wohin die uns verschleppen?

Diese Lager. Von wegen Arbeit und Erholung! - Ella, das ist unsagbar grauenhaft.

Wir helfen ja, wo wir können.

Heirate ihn nicht, Betty. Es dauert doch nicht mehr lang.

Der Russe wird sich wehren, Franz kommt zurück und ihr seid wieder zusammen.

Hab Spaß, das versteh ich, aber heirate nicht. Du brauchst keinen Notnagel. Du hast Franz.

Ich hab mich in Hans verliebt.

Das geht doch vorbei.

Ella, Hilde kann nichts dafür. Die macht Sachen, die will ich nicht wissen, so gefährlich sind die.

(Fernes Stimmengewirr)

(Ferne Klospülung)

Danke fürs extra Baden.

(Hans gluckst leise.)

(leise) Ja! Wir sehen gleich den Papa. Gleich sehen wir Papa.

Hans! - Hilde!

Hans!

Auseinander jetzt.

Auseinander. - Na, na. Sind doch Mann und Frau.

(Coppi) Wen haben wir denn da?

Unser Hänschen.

Wollte wohl keine Hilde werden?

(nervös) Ja. Ist ja gut.

Ist ja gut.

Nicht. Üben. Ist doch dein Sohn.

Üben?

Hilde, ich... - Ist ganz leicht. Ganz leicht, siehst du?

Du kannst leise mit ihm reden, das mag er besonders gern.

Hallo, Hänschen, mein Kleiner. - Guck mal, dein Papa.

Hallo. Hier bin ich.

Werde nicht so kurzsichtig wie ich. - Im Moment sieht er nur Umrisse.

Mehr ist von mir auch nicht übrig.

Wie viel Zeit haben wir? - Zeit?

Noch 'ne Viertelstunde. Wollt ihr hier auf dem Flur bleiben?

Wir müssen ihn wickeln. - Aha.

Ja. Mach du mal.

(Hans schreit.)

(Hilde tröstet ihn.)

Am Anfang war er noch ganz winzig.

Aber jetzt nimmt er jeden Tag zu. - (Hans wird ruhig.)

Gott sei Dank hab ich genug Milch. Liane kann gar nicht stillen.

Ich hatte solche Angst.

Ich dachte... (schluckt)

...du überstehst es nicht.

Aber jetzt,

wo du so vor mir sitzt...

Was hatten wir für einen schönen Sommer.

Die Äpfel.

Weißt du noch?

Die großen, grünen.

Ach, Hildchen.

Meine Hilde.

(Klappern einer Schreibmaschine)

(Stimmengewirr)

Wartest du schon lange?

Hier arbeitest du? - Seit mein Zahnarzt eingezogen wurde.

Kann ich 'ne Lebensversicherung abschließen. - Unerschwinglich.

'Ne Unkrautversicherung für den Garten? - Das gibt's?

Natürlich nicht. Aber wir haben verrücktes Zeug: 'ne Hochzeits-Rücktritts-Versicherung.

Wenn man kalte Füße kriegt?

Hilde. Ich brauch mal deine Hilfe.

(Tür wird geöffnet.)

Moment.

(Räuspern) Den Koffer kennst du ja schon.

(lacht)

(fragend) Ein Funkgerät.

Hätte ich's dir doch nicht zeigen sollen?

Doch!

Doch. - Für Nachrichten.

An die Freunde. - Den sowjetischen Geheimdienst?

Der Kontakt kam über Harro.

Die wollen Informationen von ihm aus dem Luftfahrtministerium.

Was für Informationen?

(schluckt) Blöd von mir. Ich will dich nicht reinziehen.

Was für Informationen?

Na, wo Hitler aufmarschiert.

Mit welcher Truppenstärke, wann er angreift und so weiter.

Die Sowjetunion angreift?

Ist nur eine Frage der Zeit.

Und wie kann ich dir helfen?

Und muss ich das jetzt alles...

Na ja, nur wenn du willst.

Der Sender arbeitet mit Kurzwellen, ja?

Hier, siehst du? Die haben ein extrem gutes Reflexionsverhalten.

Die werden an der Ionosphäre reflektiert und zurück gestreut.

Wieder in den Raum, zurück, dann kann das Signal um die ganze Erde wandern.

Weißt du, die Technik ist einfach, aber...

Das Morsen ist wie 'ne neue Sprache lernen.

Ich brauch jemanden, der mit mir übt. Bin erst bei 2 WpM.

Wörter pro Minute.

Und...

Hast du schon Ina oder Grete gefragt?

Darf ich dich küssen?

Wegen Franz?

(Er seufzt.)

(Sie lacht leise.)

(Beide lachen.)

(Sie keucht.)

(Sie keucht.)

(Sie stöhnt.)

(Hilde lacht.) Warte, warte.

(Lustvolles Stöhnen)

(Coppi ahmt Morsezeichen nach.)

Was, was? Noch mal. Das war viel zu schnell.

(Coppi ahmt Morsezeichen nach.)

Also, S ist dreimal kurz.

N ist lang-kurz. Also S, N kurz-lang... - Nein. Lang-kurz-kurz.

Kurz-lang. - Quatsch. Du hast... Hast du nicht lang-kurz gesagt?

Wirklich? - Ja. - Nein.

Nein. Lang-kurz-kurz hab ich gemacht.

Kurz...

Dreh dich um. Aufm Bauch ging's besser. - (lacht)

(leise) Lang-kurz-kurz. Kurz-lang...

Kurz-lang. Lang-kurz. - Lang-kurz-kurz. Kurz. - (Sie lachen.)

Nicht so schnell. - Warte, ich mach noch mal.

"Banse"?

(Morsen) D

Da

Dan

Dank

Danke

Danke H

Danke Hi

Danke Hil

Danke Hild

Danke Hilde

Ach so.

Bitte, Hans.

Wann sollst du den ersten Funkspruch senden? - In zwei Wochen.

Was? Dann müssen wir jetzt jeden Tag üben, wie beim Steno-Lehrgang.

(Sie stöhnt.)

(Coppi lacht leise.)

(Sie wird ruhiger.) - (Er atmet intensiv.)

(Baby schreit.) - Nein! - Sie kommt doch zu deiner Mutter.

Nein, bitte! Meine Mutter ist krank und schwach. Gebt sie mir zurück!

Sei doch froh! Hier ist es nicht normal. - Normal ist, dass sie bei ihrer Mama bleibt!

Sie muss sich dran gewöhnen. - Bitte! Warum sind Sie so gemein zu mir?

Nur heute Nacht! Wenigstens das noch. Bitte!

(barsch) Jetzt komm! - Bitte!

Hör auf mit dem Theater, sonst fessel ich dich ans Bett. Verstanden?

Bitte.

Bitte. - (Schritte entfernen sich.)

(Verzweifeltes Weinen)

(Weinen wird leiser.)

(Leises Schluchzen)

Ist noch jemand hier?

Von meinen Freunden.

Die ganze Station Fünf.

Wer?

(leise) Komm.

Ina.

Hilde! - (Hilde lacht.)

(Krähenrufe)

(Jemand hustet.)

(Hans brabbelt leise.) - Ja, mein kleines Hänschen.

Darf ich ein bisschen...

Aber keine Gespräche.

(Hilde, flüsternd) Libs.

Libs!

Hattet ihr schon Prozess?

(entgeistert) Hans auch?

(Hilde keucht.)

(Kühn) Ey! Auseinander! - Ihr ist duselig.

(Libs) Verzeih mir, Hilde. Bitte! Ich bin so schwach.

(Kühn) Geh, Schulze-Boysen! - Bitte.

Lass mich nicht gehen, ohne dass du mir verzeihst. Von hier geht's nach Plötze. - Ruhe!

Geht schon wieder.

Ist gut. Du wirst sicher begnadigt.

Oh. Mit Ihnen hab ich heut nicht gerechnet.

Na, egal. Kommen Sie.

Hab zu tun, also nur Flur und Küche. Will nicht gestört werden.

(lachend) Ich bin doch die Hilde.

Hilde?

Neulich beim Zelten. Ich soll was abholen für Hans, Hans Coppl.

Ach Gott, Hilde. Die Taschenlampe!

Die Freundin von Hans, ja?

Nein, also...

Ähm...

Wir sind nur... - Ach ja, die Männer...

Ich Kenn das. Willst du Tee?

Ich...

Hagebutte. Frisch gesammelt und getrocknet. Musst du probieren!

Hast noch 'nen anderen? - Also, Hans und ich sind nur befreundet.

Du Glückliche. Weißt du, Günther und ich... Günther kennst du doch, oder?

Nee. - Na, egal.

Der Günther, der... Ich mein, Harro gibt mir alle Freiheiten.

Günther wohnt hier, ich... Wir arbeiten zusammen, wir lieben uns.

Harro ist nicht mal eifersüchtig. Günther auch nicht. Das Schlimmste!

Immer nur die Politik. Das geht mir so an die Substanz. Guck, Nesselfieber.

(seufzt) Manchmal möchte ich das alles hinter mir lassen.

Einfach ein Häuschen an der Ostsee, ganz schlicht.

Da mit Harro leben, Gemüse anbauen, Kinder haben.

Ich hab 'ne kranke Mutter, um die ich mich kümmern muss.

Kein Geld für 'n Häuschen an der Ostsee, sei es noch so schlicht.

Kinder kann ich auch keine kriegen.

Touchee.

War nicht meine Absicht.

Hältst du mich auch für so 'ne Salonbolschewikin?

Ich zeig dir mal, was ich mache. Na los, komm mit.

Komm.

(Eine Uhr tickt.)

(Libs) Wir kriegen oft Soldatenpost in die Redaktion mit Fotos von ihren...

(verbittert) ...Heldentaten.

Hat 'ne Weile gedauert, ehe ich die begriffen hab.

Seitdem fotografier ich sie ab. Als Beweise, verstehst du?

(Rattern)

Hallo.

(nervös) Na endlich.

Komm rein.

Was war los? Hat dich jemand verfolgt?

Nee.

Entschuldige, ich hab noch mit Libs 'nen Tee getrunken.

(schnaubt) Kurierdienste sind nichts für dich. Konnte Grete das nicht machen? Oder Ina?

Wie wär's mit "danke, Hilde"?

(atemlos) Danke? Wieso?

Hilde. Du machst das doch nicht für mich oder Franz.

Traust du mir keinen eigenen Willen zu?

Hilde.

Hilde!

(Fernes Hundegebell)

(Tür wird entriegelt und geöffnet.)

(Kühn) Besuch, Coppi.

Vernehmung? - Nein, nein. Harald Poelchau, es geht nur...

Hast du was zu kübeln?

Es geht nur um etwas christlichen Beistand. - (Tür wird verriegelt.)

(Hans brabbelt leise.)

(Er seufzt.) Ich weiß, dass Sie nicht konfessionell gebunden sind, aber...

Weihnachtskekse?

Die sind noch übrig.

Nüsse aus unserem Garten. Man muss sie im rechten Moment ernten, sonst holt sie der Star.

Tee?

Ich hab nur eine Tasse. Macht es Ihnen was aus? - Nein.

(Er holt tief Luft.)

Ich soll Ihnen Grüße ausrichten von Ihrem Mann.

(Hilde schluckt.)

(haucht) Wie schön.

Gerade schreib ich ihm.

Manchmal brauchen Briefe ewig, dann kommen drei auf einmal.

Ich war bei ihm. - (Hilde atmet gepresst.)

Wann?

Am 22. Dezember schon.

(Er holt tief Luft.)

So tapfer und so gütig, wie er gelebt hat, so ist er auch gegangen.

(Hilde atmet gepresst.)

Er hat mir ein paar Zeilen für Sie mitgegeben.

Können Sie vorlesen? Sie haben eine angenehme Stimme.

(Er räuspert sich leise.)

"Ein fallendes Blatt vom Winde getragen, zeigt uns an, dass die Stunde geschlagen.

Das Erfüllte sanft von uns schreitet,

das Unerfüllte bleibt

und leidet."

Hat er das selbst geschrieben?

Ich glaube, ja.

Er wollte studieren, wissen Sie.

Er hat gern gelesen. Leidenschaftlich.

War er allein?

Nein.

Herr und Frau Schulze-Boysen gingen zur gleichen Zeit.

Libs auch?

Sie hatte wohl bis zum Schluss gehofft, dass man sie verschont.

Aber von Herrn Harro soll ich Sie ausdrücklich grüßen.

Waren Sie dabei?

Ich kann sie doch nicht allein lassen.

(Hans brabbelt.)

(Hans beginnt, zu schreien.)

(Hilde gibt einen Laut von sich.)

(leise) Hänschen.

Hänschen.

Entschuldige.

(Hans schreit.) - Entschuldige.

Entschuldige. - (Hans wird ruhig.)

Entschuldige.

(Klaviermusik) - Diese freche Komposition aus Sexappeal,

Eleganz und Sportsgeist, die Ina hier trägt,

erinnert an die Tasten... - Welche ist Zarah Leander?

Die mit dem Glockenhut? - Nee, mit der Kaltwelle.

...Nieren wärmt, ziehen Sie alle Blicke auf sich.

Die Braun und ihre Entourage bestellen Pelze en masse.

Ich würd ja Nerz nehmen. Persianer wär mir zu ordinär.

Dazu 'ne schicke Fuchsfell-Tasche.

Grete. Pelze. Im Frühjahr? Die rüsten sich für ihre Siegesfeier auf dem kalten Roten Platz.

Hilde. Das Cocktailkleid, bitte. - Die werden sich wundern.

Die glauben ernsthaft an eine Siegesfeier in Moskau? - Ja. Das nicht! Das cremefarbene.

Das rote könnte dir stehen. Kannst du mitnehmen. Kriegt sowieso keiner mit.

Hilde in Rot? - Ja. Dass sie den Hans mal aus der Reserve lockt.

Welchen Hans? Coppi?

Quatsch! Oder, Hilde?

Der Stiesel. - (schnaubt) Jetzt gib's ruhig zu.

Mesdames, genießen Sie dieses anmutige puderfarbene Abendkleid

aus feinstem Seidensatin.

Stimmt das? - Exklusives Einzelstück deutscher Hoch-Mode.

Das ist nie im Leben Zarah Leander. - Hilde.

Sonst schnapp ich mir den.

Steht mir das wirklich?

(Vogelgezwitscher)

(Motorradbrummen)

(Hupen)

Mensch, Hilde. Bist ja doch da. - (Fröhliche Kinderrufe)

Wo ist Grete?

Die hatte Fieber.

Schönes Zelt. Brauchst du Hilfe?

Ähm... Nee, danke, es geht schon.

Du weißt aber schon, wie es geht, oder? - Natürlich. Ist halt Gretes Zelt.

Na ja, Gretes Zelt. Eigentum. Bürgerliche Kategorie.

Soll ich mal?

(Sie seufzt.)

(Flaschen klimpern.)

Ich taufe dich auf den Namen

"Gretes Rache".

(Sie lacht.)

(Walzermusik mit Ziehharmonika)

Hier.

So. Kleine Runde?

(Gefühlvolle Walzermusik mit Ziehharmonika)

(Gefühlvolle Walzermusik mit Ziehharmonika)

(Gefühlvolle Walzermusik mit Ziehharmonika)

(Ausgelassenes Geschrei)

(Walzermusik verklingt.)

(Sanfter Gesang von Libs) Kumm bi de Nacht, kumm bi de Nacht, segg, wo du heeßt.

Kumm bi de Nacht, kumm bi de Nacht, Ssegg, wo du heeßt.

Harro kommt aus 'ner Admiralsfamilie und arbeitet im Luftfahrtministerium.

Ein echter Revolutionär.

Dem haben die Nazis 33 schon die Nieren zerschlagen.

Der liest Lenin im Original.

Und Libs, seine Frau, ist einfach so...

(Coppi) Ja. Wirst sie ja bald kennenlernen.

(Libs hört lachend auf zu singen.)

Was? Was guckst 'n so?

Nichts.

(stammelt) Ist Libs nicht Harros Frau?

Ja.

(Coppi) Freie Menschen.

Vielleicht sehen wir 'ne Sternschnuppe.

(Leises Stimmengewirr) - (Frösche quaken in der Ferne.)

Ich doch nicht. - Und wenn doch? Was wünschst du dir?

Ach.

Weiß nicht, nur albernes Zeug. Und du?

Weltfrieden und Kommunismus?

Was für albernes Zeug?

Zum Beispiel, keine Angst mehr zu haben.

Angst wovor?

Vor allem.

Vor Spinnen, vor Käfern,

den Nazis, meinem Zahnarzt.

Der Liebe.

(Grillen zirpen, Frösche quaken.)

(Sie seufzt.)

(flüsternd) Hans.

Hans.

(Libs) Ausgeflogen.

Oh.

(zögerlich) Hab ich dich geweckt?

Ich wollte nur nach 'ner Taschenlampe fragen.

So, So.

Sie sind unten am Ufer.

Sie? - Mit Harro und Heinrich.

Da will ich nicht stören.

Kannst du ruhig. Geh nur. Sag schönen Gruß von mir.

Heinrich wurde einberufen, ist morgen weg. Du musst dann funken.

Ich trau mir das zu, aber... - Such dir wen zum Üben. - Okay.

Es ist einfacher, als wir denken.

Besprechen wir das morgen? - Ich krieg das hin.

Ja. Komm, wir schlafen 'ne Runde.

Und? Du und Hilde? - Ach, das ist nichts weiter. Die Mädels nennen sie "die Gouvernante".

Wie fies! - Fromm. Und brav.

(Sie lachen.) Gouvernante.

(Ella) Furchtbar siehst du aus, Betty.

Warst du wieder krank? Oder Sorgen, weil er nicht schreibt? Musst du nicht.

Ich war bei Bekannten, die Kontakt zu ihm hatten. Franz geht's gut. Er ist gesund.

(lacht) Irgendwann schreibt er wieder. Du kennst ihn ja.

So sind sie, die Männer. Sein Vater auch.

Auf der Bühne großes Drama, aber zu Hause keine Träne zu viel.

Weißt du, was er immer gesagt hat? "Ich hab auch Gefühle."

Und welche, bitte? "Zum Beispiel Hunger und Durst."

Sag mal, willst du wirklich alles hier lassen?

Du musst doch auch kochen.

Meine Freundin wohnt genauso beengt wie ihr.

Ein bisschen Geschirr könnt ihr ja gebrauchen.

Hol ich alles wieder ab, sobald ich eine sichere Bleibe habe.

Ein bisschen Mehl,

Zucker und ein paar Konserven wären schön.

(Hilde) Soll ich dir wieder tragen helfen?

Fällt vielleicht sonst auf.

Das wäre furchtbar lieb.

Betty?

Ja?

Danke.

Danke, mein Kind.

Danke für alles.

(Hans brabbelt.) - (Lautes Stimmengewirr)

(Tür wird entriegelt.)

Aufstehen, anziehen. Verhandlung.

Der Kleine kommt derweil ins Lazarett.

(schwach) Aber er braucht doch Milch.

Mach schnell.

Lautenschläger! Aufstehen, anziehen. Verhandlung!

(Kühn) Berkowitz!

(Hans quengelt.)

(Hans wird ruhig.) - Hans, mein Kleiner.

Keine Angst.

(Motorbrummen)

(Zitterndes Atmen)

Beruhigungstabletten.

Hoffentlich wacht sie zur Verhandlung wieder auf.

(Soldat) Ruhe.

(Motorbrummen wird ruhiger.)

(Tür wird aufgeschlossen.)

Rein hier.

Einsteigen.

Fritz? Du? Mein Liebster.

(Motorbrummen)

Herrgott.

Heinz?

Heinrich. - Hilde?

Hab dich fast nicht erkannt.

Bin ich so anders?

Vielleicht durch das Kind.

Wie heißt es denn?

Hans.

Er heißt Hans.

Darf ich dich um was bitten?

Könntest du mich in den Arm nehmen? So wie Fritz?

Nichts zugeben. Ans Protokoll halten. Sie drehen dir den leersten Schmus im Mund um.

Ruhe!

Hast du gehört, dass Libs noch lebt? Ist weitläufig mit Göring versippt.

'Ne schöne Korruption. Bändeweise soll die ausgepackt haben. - Sie ist tot!

Ruhe. - Na, immerhin. Dann ist sie 'ne Heldin. Wie dein Hans und die Pappnasen.

Ritten uns rein mit Leichtsinn und Eitelkeit. - Ina, hör auf! - Hans war nicht leichtsinnig.

Halt! Mit Abstand aufstellen.

Abstand!

Woher wussten die, dass ich Alberts Uniform hatte?

Die haben nicht gesucht, sind sofort zum Versteck. Hast du ausgeplaudert?

Dann kann's nur Hans gewesen sein. - Er wurde gefoltert.

Und jetzt ist er tot.

Wie du auch bald.

Wir alle.

Und dein Kind 'ne Waise. (fauchend) Und wofür?

Haltet endlich die Klappe!

(Staatsanwalt) Durch ihren Mann übernahm sie dessen Gedankengut

und wurde wie er überzeugte Kommunistin.

Sie verbreitete Flugblätter und Hetzschriften, die sie auf Wachsmatrizen tippte

und zur Ausstellung "Das Sowjet-Paradies" mit ihm im Wedding und Moabit an Fassaden klebte.

Des Weiteren hörte die Angeklagte

die deutschsprachige Propaganda-Sendung "Heimatpost" des Moskauer Rundfunks ab.

Sie schrieb Briefe an die Familien deutscher Soldaten,

dass die sich angeblich wohlbehalten in russischer Gefangenschaft befinden.

August 1942 nahm sie den russischen Spion und Fallschirmspringer Albert Hößler bei sich auf

und transportierte Sendegerät und Uniform des Agenten.

Sie förderte die Sendeversuche ihres Mannes an den sowjetischen Geheimdienst.

Im Hinblick auf ihre umfangreichen staatsfeindlichen Tätigkeiten

kann das Tun der Angeklagten nicht mehr nur als Beihilfe gewertet werden.

Herr Verteidiger? - Gibt nichts Entlastendes.

Frau Coppi, Ihr letztes Wort?

(bekümmert) Sie sind nicht vorbestraft,

Ihre Arbeitgeber loben Sie,

Sie haben ein Kind.

Warum haben Sie die illegale Tätigkeit Ihres Mannes unterstützt

und nicht angezeigt?

(Hilde schluckt.)

Weil ich meinen Mann liebe.

(Motorbrummen)

So, Lautenschläger rüber, Berkowitz auf die TK-Seite.

Todeskandidaten. Rein.

Den Kleinen bring ich später.

Das Licht bleibt an heute Nacht. Vorschrift. Nicht, dass du...

Ich?

(Tür wird verriegelt.)

(Hilde atmet gepresst.)

(Hilde schluchzt.)

(Hilde weint erschütternd.)

Danke.

Muckefuck?

Ja.

Scheint noch nicht da zu sein.

Wer?

Na, die Gestapo. Noch nie von Schutzhaft gehört?

(lacht) Ich bin doch nicht blöd.

Können jeden Moment um die Ecke kommen, stehen über dem Gesetz.

Auch mit rechtskräftigem Urteil und Entlassung dürfen die dich in Schutzhaft nehmen.

Einfach einsacken und zack, ab nach Oranienburg. Oder in Gretes Fall nach Ravensbrück.

Da können sie dich dann einfach totschlagen.

Hast du Zucker dabei?

Du warst in Schutzhaft, oder?

Ja.

In Oranienburg.

(Tor wird geöffnet.)

Ist sie das?

(Hilde) Ja. Grete! Komm!

Mensch, Hildekind!

Das ist Hans Coppi, ein Genosse.

Der mit der Eisdiele? - Ja.

Los!

(Grete jauchzt.)

Ja!

(Sie kreischt.)

(Grete) Hilde! Komm rein!

Total schön. Komm!

(Coppi) Ist gar nicht so kalt, Hilde. - Hab dich nicht so!

(Coppi) Warte mal.

(Grete gluckst.)

(Coppi) Lass dich fallen. - Lass du dich doch fallen.

So. Nächste Runde. Wer wollte alles noch? Harro? Heinrich?

Ina, Erdbeer? - Ja.

Grete, zur Feier des Tages? - Danke.

Hilde? Wirklich kein Eis? - Nee danke, davon krieg ich Bauchweh.

Was? - Wir müssen zu Widerstandsgruppen Fühlung aufnehmen. Effizientere Aktionen.

Genau. Klebezettel statt Plakate. Spuckies! - Nein. - Keine Druckerei. Viel zu gefährlich.

Wir machen den Leim selber. Mehl, Wasser, Zucker. - Nicht im Ernst. - Doch!

Anlecken. Klebt! - Da passt doch nichts drauf. - Dann kurz und knapp.

"Krieg ist kulturlos und grausam, jeder deutsche Soldat darf desertieren."

Viel zu pazifistisch.

(Dame) Heil Hitler.

(alle, träge) Heil Hitler.

Hans! Wieder da? - Schon 'ne Weile, Frau Lampert. Wie kann ich helfen?

Ich wollte unseren Aufruf für die Mütterschulungen vorbeibringen.

Literaturzirkel, ja? - Ja.

Man muss sich ja bilden. - Richtig.

Was lest ihr denn Schönes?

"Irrungen, Wirrungen". Herrlich.

Find's ein bisschen kitschig. - (Lampert) Was?

Wo seid ihr denn gerade?

Ähm...

Gerade, äh...

Im Ruderboot.

Ach so, noch ganz am Anfang.

Nee, die Liebesszene im 11. Kapitel, Hankels Ablage.

Aber das ist doch schön. Romantisch, oder nicht?

Ich find's eher melancholisch.

Mögen Sie nicht mal bei uns lesen? Ein bisschen Kultur täte uns gut.

Und?

Frau Lampert?

Erdbeere, Schokolade oder Vanille?

Ach, bitte von jedem eine Kugel.

Danke.

Hilde. - Hilde.

Vielen Dank fürs Eis. - Danke.

Tschüss.

Bis bald. - Bis bald.

Mutig, Mädchen. - Wer? Ich?

Du schreibst doch auch die Flugblätter ab. Hans hat viel von dir erzählt.

Hilde, nicht? - Sonst kann niemand Maschine schreiben.

Müsstest sie sehen, Mutti, Hände wie Vögelchen. - Hans?

Bringst du mich nach Hause?

Und du, Hilde?

Ich wohne Frankfurter Allee. - Ganz andere Route.

Wir können erst dich bringen, dann Hilde.

Quer durch die Stadt und zurück? Na ja...

'ne Abkürzung? - Nee, du bist mit der U-Bahn schneller.

Die fällt doch dauernd aus. - Wirklich?

Ja, ich fahr ja jeden Tag. - Tja. War mir in letzter Zeit nicht möglich.

Na ja, dann machen wir nächstes Mal umgedreht? In Ordnung, Hilde?

Ja?

Ja.

(schreit) Ein bisschen sanfter, Hildelein.

(Sie seufzt.)

So?

Hast du dich amüsiert mit deinen Freunden?

Gibt's was Neues von Franz?

Außer, dass er gut in Kopenhagen angekommen ist...

Ach, Hildelein. Pass bloß auf.

Sonst drehst du dich eines Tages um, bist 50 und alles ist vorbei.

Ich werd nicht 50.

Und sag nicht immer "Hildelein".

(Hans schreit.)

(Hildes Mutter) Gott, bist du süß. (Kusslaut)

Deinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten. - Die Augen hat er von mir.

Hat sich Hans über den Sauerbraten gefreut? Hab lang nichts von ihm gehört.

Ach, Sauerbraten, sein Leibgericht. - Weil er doch immer Hunger hat.

Nach dem Rezept von Oma?

Was ich nach dem Fleisch rumgerannt bin. Marken hab ich gesammelt.

(seufzt) Ach, Kind.

Wann kommst du endlich raus? Jeden Tag spazier ich die Barnimstraße entlang...

Wir dürfen nicht drüber reden, Mama. - (Räuspern)

Und dein Prozess? - (flehend) Mama, bitte.

Gefällt dir die Matratze?

Ganz toll.

Hänschen wird wie im siebten Himmel schlafen.

Die Schühchen, hast du die selbst gestrickt?

Ich hab leider keine weiße Wolle.

Hast du was von Tante Ella gehört?

Sie ist wohl verreist.

Arbeit und Erholung.

Wieso dürfen wir nicht... Ich will nur wissen... Das ist mein einziges Kind!

Das ist gegen die Vorschriften. - (ächzt)

(Hans brabbelt.)

Es tut mir leid, Mama.

Ich bin zum Tode verurteilt.

Was?

Was?

Nein!

(Weinen dauert an.)

Mama.

(schreit qualvoll auf) Nein!

(Hans beginnt, zu schreien.)

(Hans und die Mutter weinen qualvoll.)

(Hilde, eindringlich) Mama!

Hänschen ist jetzt das Wichtigste. Du musst dich um ihn kümmern, ja? Mama!

Beruhigen Sie sich. Ihre Tochter kann ein Gnadengesuch schreiben.

Warum hast du das nicht längst gemacht? - Hilde, bitte. Bitte, Hilde. - (Hans brüllt.)

(liebevoll) Komm her.

Ist gut, ist gut. - (Beide hören auf zu weinen.)

"Sie wurde dazu bestimmt, die Wöchnerinnen im Anstaltslazarett zu versorgen,

was sie mit viel Liebe und Sorgfalt tut.

Ihr Kind, das zunächst zu Besorgnissen Anlass gab,

entwickelt sich unter ihrer liebevollen Pflege erfreulich.

Coppi trägt ihre Strafe unter Aufbietung aller Willenskraft um des Kindes halber tapfer

und ohne mit den Mitgefangenen darüber zu reden.

Sofern die Urteilsgründe dem nicht entgegenstehen,

möchte ich das Gnadengesuch befürwortend weiterreichen."

(Hilde atmet freudig aus.)

Wie heißen Sie mit Vornamen, Frau Kühn?

Kühn.

Anneliese.

Wo ist deine Arbeit?

Hausarbeit ist nicht so deins, hm?

(Krähenrufe)

(Sie klopft einen Rhythmus.)

(Sie schluckt.)

(Tür wird geöffnet.)

Hans. - Äh, Hilde, richtig?

Was gibt's?

Ich soll schöne Grüße von Franz bestellen. Und euch die Fotos geben.

Er musste ganz schnell weg. - Fotos?

Novemberpogrom. Er hat heimlich fotografiert.

Hilde, ich bin gerade beschäftigt.

Hildchen! - Hilde, Gott sei Dank. Du kommst genau richtig.

Hast du Zeit zu helfen? - Moment!

Das ist Hilde. - Die Freundin von Franz. - Na komm!

Sie kann 10-Finger-System!

Traust du dir zu, uns zu helfen?

Für Franz hab ich auch illegale Schriften abgetippt. - Aha. "Illegale Schriften".

Mit Wachsmatrizen Kenn ich mich auch aus. - Wieso Wachsmatrizen?

Guck Ina an. Mit den Folien ist es ein Gekleckse, wenn man nicht aufpasst.

Komm her.

So. Alles verschmiert und kaum durchgedrückt. Ich hab mir solche Mühe gegeben.

Bei den runden Buchstaben vorsichtig anschlagen, bei den breiten kräftig.

Das ist unsere letzte Folie. - Und der Text?

"Krieg dem Kriege". - Tucholsky?

Ja. - Willst du das in Versalien?

Muss alles auf eine Seite passen.

(Sie atmet konzentriert.)

(diktiert) "Sie lagen vier Jahre im Schützengraben."

Punkt.

"Zeit, große Zeit. - (Tippen dauert an.)

'Du sollst nicht töten', hat einer gesagt.

Und die Menschheit hört's, und die Menschheit klagt.

Will das jemals anders werden?

Krieg dem Kriege!

Und Friede auf Erden."

(Tippen endet.)

(Hans gluckst.) - (Hilde jauchzt leise und lacht.)

(außer Atem) Genug, Hänschen. Ich kann nicht mehr.

Kommt ein Mann die Treppe rauf... - Coppi!

Keine Angst. - Wir haben doch noch 'ne Stunde.

(Kühn) Komm her!

Na komm. - Lass den Kleinen erst mal da.

Dein Name steht ganz unten.

Er hätte doch ein Einsehen haben können, der Führer. Wenigstens bei dir.

Wann?

Pack die Sachen für den Kleinen heute Nacht. Ihr werdet morgen abgeholt.

(Hilde atmet schneller.)

(Hilde atmet ganz ruhig.)

(Ein Vogel singt.)

(Vogelgezwitscher)

(Leises Schmatzen und Glucksen)

(Hilde atmet gepresst.)

(Hans brabbelt leise.)

(leise) Bitte vergiss mich nicht.

Bitte vergiss mich nicht. (schluchzt) Und werd glücklich. Unbedingt.

(schluchzt) Fröhlich und glücklich.

(Hans beginnt, zu weinen.)

(Hilde schluchzt.)

Bitte übergeben Sie ihn nur meiner Mutter. Niemand anders.

Dass er nicht ins Kinderheim kommt.

Und...

Sagen Sie der Schwiegermutter, dass sie Deckel für die Regentonnen anschaffen soll,

damit er nicht reinfällt, richten Sie das aus?

(mit zitternder Stimme) Ja. Noch was?

(leise) Bitte gehen Sie.

(Frau Kühne Schritte entfernen sich.)

(Tür wird geschlossen.) - (Hildes Atem bebt.)

(Tür wird verriegelt.)

(Gedämpftes panisches Schluchzen)

(Hans gibt einen Laut von sich.)

(Motorbrummen)

(Fröhliche Instrumentalmusik: "La Cucaracha")

(Ausgelassenes Stimmengewirr und Gelächter)

(Leises Vogelgezwitscher)

(Tür wird geschlossen und verriegelt.)

(Hilde atmet gepresst.)

(Tür wird wieder entriegelt.)

(seufzend) Frau Coppi.

(atmet gepresst aus) Herr Pfarrer.

(Tür wird geschlossen.)

(sanft) Weinen Sie ruhig.

Ich musste bloß an Hans denken, als ich Sie gesehen hab.

Herr Schmidt! Herr Schmidt, wir brauchen einen neuen Kittel.

(Tür wird geschlossen.)

(Hilde räuspert sich leise.)

Was... Was tun Sie denn normalerweise in Situationen wie dieser?

(Pfarrer) Normalerweise?

Beten.

Oder...

Mit Arvid Harnack habe ich Goethe gelesen.

Mit Herrn Schulze-Boysen über die Zukunft Deutschlands diskutiert und...

mit Ihrem Mann... Na ja, das wissen Sie ja.

Also.

(mit sanftem Nachdruck) Was wollen Sie?

Hilde.

Was wollen Sie?

Ich?

Was ich will?

Ähm...

(sanft) Kennen Sie ein Gebet?

(lacht) Ja.

Aus Kindertagen.

(atmet tief durch)

"Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir.

Wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür.

Wenn mir am allerbängsten ums Herze wird sein..."

(Pfarrer) "...dann reiß mich aus den Ängsten kraft deiner Angst und Pein."

(Hilde räuspert sich.)

Ich...

(Die Stimme versagt.)

Ich würde... Ich würde gern meiner Mutter noch schreiben, aber...

Sie können mir diktieren.

(Füllfederdeckel klappert leise.)

Ja.

"Mutti." - (Feines Kratzen)

"Meine geliebte Mutti.

Ich muss nun gehen.

Das Schwerste,

die Trennung von meinem Hänschen,

hab ich schon hinter mir.

Wie glücklich hat er mich gemacht.

Ich weiß,

dir will das Herz jetzt brechen,

aber nimm es fest,

ganz fest in deine Hände.

Das schaffst du, nicht wahr, Mutti?"

(atmet schwermütig aus)

(Pfarrer) Mhm.

"Als Kind,

wenn ich immer so lange wach lag neben dir,

wünschte ich mir innig, vor dir sterben zu dürfen.

Später kam ein zweiter Herzenswunsch hinzu:

Ich wollte ein Kind zur Welt bringen."

(Tür wird entriegelt.)

(Tür wird geschlossen und verriegelt.)

(Er räuspert sich.)

(Pfarrer) "Ich wollte ein Kind zur Welt bringen."

"Siehst du,

diese beiden Wünsche haben sich erfüllt.

Ich gehe nun zu meinem großen Hans.

Der kleine Hans hat,

so hoffe ich,

das Beste von uns beiden mitbekommen.

Und wenn du ihn an dein Herz drückst,

ist dein Kind immer bei dir."

(Hilde seufzt.)

(seufzend) "Meine gute,

einzige Mutter.

Mein kleines Hänschen.

All meine Liebe

ist immer ständig um euch.

(bebend) Bleibt tapfer,

wie ich es auch sein will.

In Liebe, eure Hilde."

(atmet bebend)

(Pfarrer) Den überbringe ich

persönlich.

(atmet zitternd)

(ächzt qualvoll)

(schnell) Wie läuft es ab?

(Pfarrer) Schnell.

Wann bin ich dran?

19:25 Uhr etwa,

also in der Mitte.

Besser als am Anfang oder Ende, nicht?

(leise) Ja.

(Holzabsätze klackern laut.)

(Leises Schluchzen)

(Lautes Vogelgezwitscher)

(Ersticktes Weinen)

Weitergehen.

Na komm, nur noch ein paar Meter.

Frida Wesolek.

(Vogel flattert auf.) - (Liane schluchzt laut.)

(Andere Frauen stimmen mit ein.)

(Ferner Knall)

(Fernes Poltern und Knarren)

Rose Schlösinger.

(Freundin) Rose! - Ruhe.

Nein! - Ruhe.

(kreischend) Nein! (Kreischen verstummt.)

(Freundin schluchzt.)

(Lautes Vogelgezwitscher)

(Freundin schluchzt.)

(Fernes Poltern) - (Hilde ächzt.)

(Tür wird geöffnet.) - Oda Schottmüller.

(Mehre weinen und ächzen.)

(Liane atmet zitternd.)

(Jemand schreit auf.) - (Vogelgezwitscher nimmt zu.)

(Freundin, schluchzend) Nein.

Liane Berkowitz.

(Tür wird geschlossen.)

(Freundin, schluchzend) Nein.

(Hilde atmet schwerfällig.)

So.

(Tropfen plätschern.) - Hilde Coppi, geboren 13.05.1909 in Berlin.

Sie sind zum Tode verurteilt wegen Hochverrats

in Tateinheit mit Feindbegünstigung, Spionage und Rundfunkverbrechen.

Scharfrichter, walten Sie Ihres Amtes.

(Vorhang surrt.)

(Gefühlvolle Walzermusik mit Ziehharmonika)

(Hans im hohen Alter) Meine Mutter wurde am 5. August 1943 hingerichtet.

Ich wuchs bei meinen Großeltern auf.

Nun bin ich 80 Jahre alt

und immer wieder im Laufe meines Lebens habe ich die Briefe meiner Eltern gelesen,

mir ihre Fotos angeschaut.

Einmal erhielt ich Post aus dem Rheinland. Da schrieb mir eine Frau,

ihre Familie sei damals von meiner Mutter benachrichtigt worden,

dass ihr Vater noch lebe.

Sie bedankte sich.

Als ich hingegen in Moskauer Archiven die Funksprüche meines Vaters nachlesen wollte,

stellte sich raus,

dass nur ein einziger angekommen war.

"Tausend Grüße allen Freunden".

Die Reichweite, wissen Sie...

(Gefühlvolle Walzermusik mit Ziehharmonika)

(Ausgelassenes Stimmengewirr und Gelächter)

(Gefühlvolle Walzermusik verklingt, aber die Stimmen hallen noch lange nach.)

(Vogelgezwitscher)

(Motorradbrummen)

(Motorradbrummen ebbt ab.)

(Gefühlvolle Walzermusik mit Ziehharmonika)

(Gefühlvolle Walzermusik verklingt.)

Untertitelung: SUBS Hamburg Anna Pristouschek

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